Medizinischer Fortschritt als zivilrechtliche Herausforderung

Auch im Zivilrecht eröffnet der technische Wandel neue Fragestellungen und zwingt die Gesellschaft zur Reflexion jahrhundertealter tradierter Rechtsprinzipien. Am dringlichsten ergeben sich neue Herausforderungen im Kontext der schnell fortschreitenden medizinischen Entwicklung. Namentlich am Lebensanfang (bspw. Beginn der Persönlichkeit) und am Lebensende (Todeszeitpunkt, Interessenabhängigkeit von der Transplantations“industrie“ etc.) führt der technische Wandel zu neuen rechtlichen Problemfeldern und allenfalls Regelungsrevisionsbedarf. Vor allem aber auch im Bereich der Fortpflanzungsmedizin werden neue Wege bestritten (jüngst die sog. Mitochondrienspende, welche zu zwei genetischen und der gebärenden Mutter führen kann), welche das herkömmliche System des Abstammungsrechts sprengen; gleiches gilt für die Frage der fortschreitenden Möglichkeiten der Pränataldiagnostik. Diese neuen rechtlichen Probleme und das neue, derzeit in Revision befindliche Fortpflanzungsmedizingesetz können und müssen wissenschaftlich durchdrungen werden, wobei sich diese Bereiche auch für transdiziplinäre Dissertationen bestens eignen würden. Es ist unübersehbar, dass diese Entwicklung auch mit einem einhergehenden gesellschaftspolitischen bzw. kulturellen Wandel und entsprechenden Gegenbewegungen verbunden ist, was die alte Diskussion der Steuerungsfunktion im Zivil, insb. Familienrecht, wiederbelebt und damit auch Gegenstand von Grundlagenstudien bilden kann.